Hans aus Deutsch-Wagram (A)

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Journalist

Die Schule war ein permanentes Missvergnügen.

2016-08-hans
Hans aus Deutsch-Wagram

Dass ein Krieg endet ist schön. Dass er Spüren hinterlässt ist klar. Für uns Jugendliche der 68er-Jahre war die Schule ein einziger Kriegsschauplatz, auf dem wir uns mehr als Leichen denn als Helden fühlten.

Obwohl alles verboten war, bestraften die Lehrer das heimliche Schachspielen unter der Bank nicht. Sie trugen das Schachbrett sorgsam auf den Lehrertisch und wir bekamen es in der Pause zurück.

Später hatte ich die Möglichkeit die Vielschichtigkeit von Schach zu erleben. Auf einer Dienstreise nach Russland traf ich als Wirtschaftsjournalist einen polnischen Kollegen. Er war beruflich erstaunlich inkompetent, doch er führte ein Schachspiel mit sich, was ihn für mich interessant machte.

Ich sprach ihn darauf an und erklärte ihm, dass ich mit den schwarzen Figuren sehr gerne die holländische Verteidigung spiele. Auf meine Frage, ob er diese kenne, antwortete er: „Ich habe ein Buch darüber geschrieben.“ Er sei Großmeister und spiele Schach nur gegen Geld. Ich winkte ab und dachte mir: „So wie du Journalist bist, bleibt dir auch nichts anderes übrig.“

Schach ist nur ein Spiel, für mich das schönste, das es gibt. Aber es ist nicht das Leben.