Mohammad aus Teheran (IRN)

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Tischler, Schneider, Taxifahrer

Alle Schachpartien die ich im meinem Leben gespielt habe, habe ich im Kopf gespeichert.

Genau so wie meine Memoiren. Sobald mein Deutsch perfekt ist, möchte ich ein Buch schreiben.

Als ich elf war erklärte mir ein Cousin alles über Schach, von „Das ist der König“ bis „Jetzt besser nicht schlagen“, also von Basics bis Taktik. Wir spielten am gleichen Tag unendlich viele Partien, bis ich, nach ca. fünf Stunden, nicht mehr verlor. Er ist danach zwecks Herausforderung immer wieder zu mir in die Stadt gereist. Ich habe jedes Mal gewonnen.

Ich bin sehr gerne beim Streetchess dabei. Die Menschen hier in Wien urteilen weniger als in Teheran. Sie fragen nicht, warum ich Zeit dafür habe, auf Strassenfesten zu sitzen und Schach zu spielen. Auch nicht, ob ich religiös bin.

Am Liebsten spiele ich mit älteren Männern. Sie denken oft weniger engstirnig, sie haben mehr Überblick und Lockerheit.

Wienerisch verstehen geht auch schon besser, wobei ich mich freue, wenn die Person das Sprechtempo für mich anpasst. Schach spielen hilft mir beim Deutsch lernen. „Haben, geben, laufen, stehen, schau ma mal, …“ Vieles kommt vor bei einer Partie.

Sprache ist wichtig. Ohne Kenntnis der Landessprache stehst du im Abseits. Deutsch ist nach Farsi und Türkisch die dritte Sprache für mich.