Ahmad aus Damaskus (SYR)

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Jusstudent

Verlieren akzeptiere ich nicht als Teil des Schachspiels. Es raubt mir den Schlaf wenn ich verliere.

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Ahmad (links) mit Bruder Riad

Mein erster Gegner war Abrahim, wir waren beide 12 Jahre alt und spielten nach der Schule bei ihm zu Hause. Beide wollten wir hauptsächlich gewinnen, das war uns wesentlich wichtiger als dazu zu lernen.

Der Gewinner sagte im Anschluss immer so Sachen wie: “Habe ich mal wieder Glück gehabt“, „Hättest auch du gewinnen können“, „Du hast sehr gut gespielt, es war eine harte Partie für mich“, und so weiter. Der Verlierer verhielt sich leise und lächelte höflich aber deutlich gequält, war innerlich aufgelöst vor Wut. Beide wussten das.

Später spielte ich mit meinem Bruder Riad und mit einem Bruder kann man nach einer Verlustpartie einfach raufen, das ist sehr erfrischend.

Noch immer mag ich nicht verlieren. Jedes Mal wenn ich eine seriöse Partie verliere überlege ich zwei oder drei Minuten ernsthaft, nie wieder zu spielen.

Hans aus Deutsch-Wagram (A)

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Journalist

Die Schule war ein permanentes Missvergnügen.

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Hans aus Deutsch-Wagram

Dass ein Krieg endet ist schön. Dass er Spüren hinterlässt ist klar. Für uns Jugendliche der 68er-Jahre war die Schule ein einziger Kriegsschauplatz, auf dem wir uns mehr als Leichen denn als Helden fühlten.

Obwohl alles verboten war, bestraften die Lehrer das heimliche Schachspielen unter der Bank nicht. Sie trugen das Schachbrett sorgsam auf den Lehrertisch und wir bekamen es in der Pause zurück.

Später hatte ich die Möglichkeit die Vielschichtigkeit von Schach zu erleben. Auf einer Dienstreise nach Russland traf ich als Wirtschaftsjournalist einen polnischen Kollegen. Er war beruflich erstaunlich inkompetent, doch er führte ein Schachspiel mit sich, was ihn für mich interessant machte.

Ich sprach ihn darauf an und erklärte ihm, dass ich mit den schwarzen Figuren sehr gerne die holländische Verteidigung spiele. Auf meine Frage, ob er diese kenne, antwortete er: „Ich habe ein Buch darüber geschrieben.“ Er sei Großmeister und spiele Schach nur gegen Geld. Ich winkte ab und dachte mir: „So wie du Journalist bist, bleibt dir auch nichts anderes übrig.“

Schach ist nur ein Spiel, für mich das schönste, das es gibt. Aber es ist nicht das Leben.